Autor: ChristianAlbert

  • 15. Bad Münder – Lauenstein

    15. Bad Münder – Lauenstein

    Morgens musste ich noch nicht einmal die Augen aufmachen, da hörte ich schon, wie der Regen durch das Laub der Blätter rauschte. Ist es der Fluch von Bad Münder, dass Wanderungen hier abgebrochen werden müssen? So wie damals nach dem Tiefschnee auf dem Deister-Kammweg? Das Naturfreundehaus würde mir sicher keinen Fön für die Strümpfe stellen…

    Aber als ich die Augen öffnete, schien die Sonne. Wer hätte das gedacht, es war zwar kalt (13 C) und windig, aber trocken! Wer weiß, wie lange es so bleibt, und es ist schon nach 7:30.

    Das Frühstück bot in Sachen Müsli, was das Herz begehrt. Ich habe mir auch Proviant für unterwegs machen dürfen. Vorsorglich habe ich mehr als sonst gemacht, weil ich nicht wusste, ob es bei den Naturfreunden abends ein Angebot gibt.

    Um 9:05 war ich startklar, gegen die Kälte mit Regenhose und -jacke. Aber damit war es schon auf der Bahnhofstraße viel zu warm, sodass ich die Sachen wieder verstaut habe. Es ging dann Richtung Saupark, kleiner Deister und dann am Westrand des kleinen Deister auf dem Bergmannweg nicht ganz bis Osterwald. Dabei war das mächtig aufragende Nordende des Ith immer im Blick.

    Das Weserbergland ist schon eine ganz andere Welt:

    Die Abschniite des Bergmann-Wegs sind mit Schikanen gegen Pferde und Räder gesichert: echt nervig!

    Endlich habe ich ein wildes Tier gefunden, dass sich fotografieren lässt! (Eigentlich hat es mich gefunden…)

    Und dann habe ich noch eine Frage an die Pilzkenner: unter einer alten Buche wachsen mehrere von diesen Oschies:

    Vor Ort sah das Bild schärfer aus…

    Kurz vor dem finalen Aufstieg zum Naturfreundehaus Lauenstein bin ich von Marienau noch 1,5 km seitlich zum Supermarkt, habe mich bei 1 Stück Kuchen und 1 Pott Kaffee aufgewärmt und noch ein wenig zum Abendbrot eingekauft.

    Als ich aus dem Laden kam, hatte es angefangen ganz fein zu nieseln. Die perfekte Erfrischung für heiße Tage, aber heute überflüssig. Für 1,5 km habe ich das Regenzeug wieder angezogen, dann war mir wieder (zu) warm.

    Im Haus habe ich dann erfahren, dass es Abendbrot nur auf Vorbestellung gibt. Es sind eine ganze Menge Familien hier.

    Als ich kurz vor 6 ankam, hatte Komoot 28,9 km auf der Uhr. Für übermorgen läuft eine Übernachtungsanfrage in Holzminden.

  • 14. Tag Gehrden – Bad Münder

    14. Tag Gehrden – Bad Münder

    Das Wetter hat sich dramatisch geändert; gestern spät abends donnerte es. Heute morgen zeigte das großen Thermometer draußen vor dem Hotel 17 Grad an, aber das hatte schon gestern übertrieben. Es war jedenfalls ein starker kühler Wind – und es war trocken, also ganz gute Bedingungen für den Gipfelsturm: es ging heute über den Deister.

    Um Punkt 8:30 verließ ich das Hotel (die Reinmachefrau musste mich noch an die Wanderstöcke erinnern). Nach Verlassen der Stadt gab es ein kleines Aufwärmprogramm mit dem Suerser Berg. Als ich auf der anderen Seite aus dem Wald kam, lagen Degersen und Wennigsen vor meinen Augen und dahinter ER, der Deister:

    Blick vom Suerser Berg auf den Deister

    Wennigsen habe ich entlang des Mühlengrabens zum Kloster verlassen. Beim Kloster war es schön, aber ich habe kein Fotomotiv gesucht. Entlang des Mühlgrabens gab es früher mindestens 3 Mühlen, die Überreste der dritten habe ich dokumentiert:

    ehemalige Mühle, jetzt Heimatmuseum am Mühlgraben in Wennigsen

    Schließlich trat ich in den Wald des Deister und habe nach über 1,5 Stunden eine Rast gemacht und für morgen Abend ein Zimmer im Naturfreundehaus in Lauenstein reserviert. Danach ging es eine ganze Weile harmlos weiter, dann stieg der Forstweg ernsthaft an und gegen Ende ging es die „Alte Rodelbahn“ hoch. Kurz nach der höchsten Stelle traf ich auf den Kammweg, der Aufstieg von ca. 60 auf ca. 400 m war vollbracht – und das sogar wie erhofft ohne Regen!

    Den Kammweg haben Rike und ich gut in Erinnerung, weil wir Flachlandtiroler überrascht waren, in einem März 15 cm tiefen Schnee vorzufinden – bei schneidendem Ostwind.

    Abwärts ging es wieder auf einem Stückchen E1 mit einer zünftigen Raststätte, die erhoffte Hütte als Windschutz gabe es nicht. Das Foto dokumentiert auch den „E1“:

    Rastplatz am E1 auf dem Deister

    Kaum war das Foto gemacht, begann es zu regnen. Bergab war der Regenschutz auch gegen die Kälte des Windes nützlich. Ein junges Reh, das ich aufscheuchte, war nicht besonders panisch, aber längst verschwunden, als ich bereit zum Fotografieren war.

    Es gab bergab auch schöne Strecken, teilweise mit Hindernissen, insbesondere für nackige Beine

    Insgesamt zog sich der Abstieg bei dem mistigen Wetter ganz schön in die Länge. Aber endlich tat sich der Wald auf und Bad Münder und dahinter der Süntel waren zu sehen:

    Bad Münder vor dem Süntel

    Was ich allerdings zu schätzen lerne, ist überraschenderweise ein Fön: damit kann man perfekt Strümpfe trocknen!

    Danach ging es schnurgerade runter in den Ort bis zum Hotel. Das fühlt sich allerdings irgendwie sterbend an. Ich habe noch einen weiteren Gast gesehen. Als Themenhotel sind anscheinend alle Zimmer unterschiedlich gestaltet, meins im thailändischen Stil. Ich brauche das nicht, aber es stört auch nicht weiter…

    Blick aus meinem Bett an die Zimmerdecke

    Der große Vorteil dieser Unterkunft ist, dass es ein Restaurant gibt. D.h. ich konnte etwas essen ohne nochmal los zu müssen. Das empfand ich heute als sehr angenehm. Die Essensauswahl ließ mein Herz allerdings nicht höher schlagen. Ich habe mich für ein mit Tomaten und Käse gefülltes Omelett und einen Salat entschieden. Zum Nachtisch habe ich einen Stachelbeer-Marzipan-Kuchenstück gegessen: keine blöde Kombination.

  • 13. Garbsen – Gehrden

    13. Garbsen – Gehrden

    Von der Entfernung her wurde heute Hannover von Nord nach Süd durchquert, nur eben weiter westlich. Dabei war es durch Garbsen und Seelze zunächst eher städtisch geprägt, mit einer kleinen Unterbrechung beim Wasserkreuz Leine/Mittellandkanal. Während ich für den jungen Fuchs zu langsam mit der Kamera war, der von einem Sportplatz kommend sich in ein Maisfeld verdrückte, habe ich beim Wasserkreuz sogar ein Schiffchen auf dem Kanal erwischt:

    oben Mittellandkanal, unten Leine

    Seelze habe ich überschätzt. Bei einer netten Eisdiele dachte ich: „cool, in der Innenstadt gehe ich rein!“ Das war dann aber schon die Innenstadt gewesen. Blöd, wenn man dann feststellt, dass man vergessen hat, morgens die Wasserflasche zu füllen! Nach Seelze ging es kilometerweit gerade aus auf den Benther Berg zu. Mit dem ersten Hügel mit der Harenberger Mühle war das Flachland endgültig überwunden.

    Am Fuße des Benther Bergs endlich gab es in einer Wirtschaft ordentlich was zu trinken und zur Belohnung einen Eiskaffee. Kurz zuvor entstand der Rückblick in die Tiefebene:

    da drunten ist alles platt…

    Dann kam der kurze heftige Aufstieg auf den Berg. Komoot hatte mir eine Abenteuerstrecke für Radfahrende ausgesucht. Wenn ich nicht gewusst hätte, dass das Ziel oben ist, hätte ich es nicht gefunden. Bergab ging es konventioneller auf dem Kansteinweg – Rike ist der ein Begriff. Insgesamt hat diese erste Bergwertung kaum eine halbe Stunde in Anspruch genommen, aber ich fand immer noch eindrucksvollere Rückblicke auf den ersten Berg:

    Bei viel Sonnenschein (Knicks und Redder sind hier nicht so häufig) kam ich dann nach Gehrden. Um 15:15 war heute nicht erst die 2. große Pause, sondern das Ziel „Hotel Stadt Gehrden“ erreicht. Ich fand einen Umschlag mit Schlüsselkarte vor, so dass ich mich gleich erfrischen und stadtfein machen konnte.

    In der italienischen Eisdiele gab es ein Affogato, die ultimative Steigerung eines Eiskaffees und die unvermeidliche Apfelschorle. Ich habe die Zeit damit verbracht, Euch eine kleine Erläuterung vom Sinn der Reise und des Blogs zu erstellen.

    Übrigens, die Innenstadt von Gehrden ist übersichtlich eine vielleicht 200 m lange Straße von Nord nach Süd, teils Fußgängerzone, teils verkehrsberuhigt, in der Mitte Kirche und Eisdiele. Am Südende, beim ehemaligen Dammtor, hatte ich eine Spanier gesehen; da wollte ich gerne essen, aber der Dussel hat am Sonntag abends geschlossen. So bin ich beim Italiener am Nordende, beim ehemaligen Steintor, gelandet, habe im lauen Sommerabend eine heiße Brühe mit Ravioli und dann Spagetti mit Oliven, Kapern und Sardellen gegessen. Dazu gab es viel Wasser und ein Glas Pino grigio.

    Ein kleiner Junge (wohl etwas älter als Ella) hat es genossen zu laufen, allerdings an beiden Händen von der gebückt hinterher gehenden Mutter gehalten… Anna, freu Dich drauf!

    Einen Schönheitswettbewerb würde Gehrden nicht gewinnen, aber es gibt verschiedene alte Häuschen, z.B. diese:

    die Häuschen rechts haben es mir angetan

    Als Entschädigung für den entgangenen Fuchs habe ich mir ein Bild mit den Wildschweinen in der Innenstadt nicht entgehen lassen:

    Eigentlich ist nach meiner Definition eine Commerzbank eine gute Bank, ich wollte da Geld holen. Aber „wegen einer Automatensprengung ist die Filiale derzeit geschlossen“.

  • 12. Lindwedel – Garbsen

    12. Lindwedel – Garbsen

    Erschöpft, aber zufrieden, so lässt sich der heutige Tag für mich zusammenfassen. Die heutige Etappe war nämlich 29,5 km lang, etwas kürzeres ließ die Hotel-Lage nicht zu.

    Es begann wieder mit einem frühen Frühstück bei ver.di in Walsrode, Abmarsch zum Bahnhof um 8. Nach einem 20-minütigen Aufenthalt in Schwarmstedt kam der Zug um 9:15 in Lindwedel an. Mir ist aufgefallen, dass diese Zugstrecke Buchholz-Hannover mich die ganze Zeit begleitet hat, aber das ist nun vobei.

    Am Anfang hat mir der rechte Fuß echt Sorgen gemacht, aber nach einer Stunde war ich gut eingelaufen, besonders weil es vor Brelingen auch mal etwas bergauf ging.

    Zunächst kamen heimatliche Gefühle auf, Sandabbau gibt es in Lutzhorn ja auch

    Sandgrube bei Oegenbostel

    nach der Sandgrube wurde der Weg immer schöner und führte schließlich an einen herrlichen türkisblau schimmernden Baggersee. In Brelingen auf einer Bank habe ich eine Stunde gerastet und für übermorgen eine Unterkunft in Bad Münder gebucht.

    Danach waren wieder viele breite Feldweg dabei und plötzlich war ich auf dem E1 von Celle ans Steinhuder Meer, da sind Rike und ich vor Jahren mit dem Rad längs gefahren. Prompt war auch ein berucksacktes Wanderpaar vor mir und ich dachte schon: „Gleich habe ich sie, dann können wir etwas plaudern.“ Aber da zweigte der E1  schon wieder ab und fort waren sie.

    Gegen 3 erreichte ich Resse, über diesen schönen Komoot-Werbeweg

    Ich hatte den Weg extra durch den Ort geplant, weil ich auf den Gasthof Löns gesetzt hatte, aber der öffnet erst um 17 Uhr. Immerhin gab es einen Supermarkt mit eingebauten Café. Das war wieder nichts Dolles, aber besser als nichts.

    Das letzte Drittel ist immer das einfachste. Bei der aktuellen Wärme spüre ich den Vorteil von Knicks, Reddern und Alleen. Das Hotel meldet sich, die Rezeption möchte Feierabend machen und gibt den Code für den Schlüsselsafe durch.

    Leider gibt es im Hotel nichts zu essen, sodass ich mich noch fast 1 km ins Platon schleppen muss. Morgen wird es etwas lockerer, es geht nur 18 km nach Gehrden.

  • 11. Tag Hodenhagen – Lindwedel

    11. Tag Hodenhagen – Lindwedel

    Heute klappt alles wie am Schnürchen. Um 7:30 kurzes Frühstück und Reiseproviant machen, um 8:00 los zum Bahnhof und um 8:26 fährt der Zug nach Hodenhagen; es gibt sogar eine Fahrkartenkontrolle. Die ersten Schritte in Hodenhagen sind auch mit Serengeti-Park ausgeschildert, aber bald nicht mehr. Um 9:15 ist es geschafft:

    nie wieder Hodenhagen…

    Allerdings um den Preis einer Radweg-Betonpiste…

    Am Ende von Eickeloh verpennt Komoot den Abzweig von der Hauptstraße, so dass ich wieder etwas zurück muss. Es geht eindeutig nach Nirgendwo, fernab jeder Zivilisation wird die Aller überquert.

    Weil die Aller stromaufwärts ein Wehr herunterstürzt, gibt es für die Schiffe eine Schleuse zur nahen Leine kurz vor deren Mündung in die Aller

    Schleuse Aller/Leine

    Alles ist hier eingedeicht; nach den Juli-Hochwassern sehe ich das mit ganz anderen Augen…

    Auch Störche gibt es hier

    Den Anblick der Apfelschorle in der Eisdiele von Schwarmstedt erspare ich Euch 😉

    Der Weg von Schwarmstedt nach Lindwedel verläuft unspektakulär auf solchen Wegen:

    Komoot: „Folge diesem Weg für 4 km!“

    In Lindwedel gibt es diesen Gedenkstein für die Wasserversorgung der Felder. Das war, ist und bleibt ein wichtiges Thema.

    Auf die Bahn ab Lindwedel 15:44 nach Walsrode muss ich nur 11 Minuten warten. In Walsrode in der Eisdiele wird bei einem Eiskaffee die Übernachtung für morgen Abend in Garbsen festgemacht, für die anschließende Übernachtung in Gehrden warte ich noch auf die Bestätigung. Danach geht es über (oder um den?) Deister…

  • 10. Bad Fallingbostel – Hodenhagen

    10. Bad Fallingbostel – Hodenhagen

    Also ich sag mal so: wenn ein Ort schon Hodenhagen heißt, was will man da erwarten. Die Wege waren heute nicht so nett, mehr so gerade und viel asphaltiert, für Fahrräder vielleicht noch ganz brauchbar. Nebenher die Autobahn, immerhin mit halber Lautstärke, weil Richtung Norden Stau war. Wenn einen Komoot auf einen schönen Waldweg lockt, endet der nach ein paar 100 m in einem riesigen Brennessel-Verhau. Beim Übersetzen über den Graben in den Wald (da war es besser zu gehen als auf dem Weg) habe ich von einem Wanderstock den Gummipuffer verloren – ein Pannentag eben.

    Und dann als Krönung Hodenhagen. Die riesigen Lagerhallen, die in dieser verkehrsgünstigen Lage aus dem Boden sprießen, waren Komoot noch unbekannt, zwangen aber doch aufgrund ihrer realen Existenz zu Umwegen in brütender Hitze.

    Jetzt merke ich gerade, dass das Handy noch nicht einmal die Bilder der wirklich riesigen Hallen gespeichert hat…

    Die Einfallstraße in den Ort hatte noch nicht mal einen Fußweg, für ein Café wurde auf den nahegelegenen Flughafen verwiesen – alles sehr amerikanisch.

    Am Bahnhof kam der nächste stündliche Zug nach Walsrode in 55 Minuten. Im Gegensatz zum Flugplatz war von Café weit und breit nichts zu sehen.

    Aber der Lichtblick war ja, dass ich mich heute kurzfristig entschieden hatte, das teure Hotel in Hodenhagen (139,-) gegen 2 Übernachtungen à 55,- bei ver.di in Walsrode einzutauschen. Selbst unter Berücksichtigung des Fahrpreises von 2,- war das noch etwas günstiger und es wurde auch ein leckeres Abendessen angeboten.

    Morgen fahre ich mit der Bahn wieder nach Hodenhagen und dann nichts wie weg Richtung Lindwedel!

    Nachtrag: im Internet habe ich hier ein Bild einer dieser riesigen Lagerhallen gefunden: https://www.bauwo.de/wp-content/uploads/2016/10/logistikzentrum-hodenhagen-7web.jpg

  • 9. Tag Soltau – Bad Fallingbostel

    9. Tag Soltau – Bad Fallingbostel

    Ich bin ja wohl doch nicht so der junge Gott, der mühelos von Nord nach Süd wandelt. Die Zipperlein konzentrieren sich auf den rechten Oberschenkel, der am Anfang selten aber nun öfter mal brennend nach einer Pause verlangt. Diese Taubheitsgefühle und Missempfindungen legen nahe, dass ein Nerv eingeklemmt sein könnte. Allerdings bessern Pausen sehr zuverlässig.

    Rike ermutigte mich, einen besser passenden Rucksack zu kaufen. Ich fragte im Soltauer Sportausstattungsladen nach einem Experten für Rucksäcke. Der schlug die Hände über dem Kopf zusammen, als ich ihn fragte, was er von meinem Rucksack hielte: „Viel zu klein!“ Jetzt habe ich einen extra langen mit vernünftigen Hüftflossen, ich bin fasziniert, was das in puncto Tragekomfort für einen Unterschied macht. Und ich bin zuversichtlich, dass die Beschwerden weiter nachlassen werden. Ich finde, es ging heute schon besser.

    stolzer Besitzer eines passenden Rucksacks

    Der Weg nach Fallingbostel war heute praktisch der Freudenthal-Weg, der hier dem Verlauf der Böhme folgt. Außer der Nähe zur parallel verlaufenden A7 gab es nichts Besonderes zu sehen (und zu hören). In Dorfmark konnte ich in der Eisdiele meinen Durst stillen. Außer mir waren Omas mit Enkelkindern Gäste.

    Eis wird überbewertet

    Für norddeutsche Verhältnisse wird das Gelände ab Dorfmark richtig hügelig, was sich auch in eindrucksvollen Steilufern zeigt.

    In Fallingbostel habe ich bei diesem Gedenkstein oben am Steilufer den Namen Freudenthal-Wanderweg verstanden:

    Freudenthal Gedenkstein

    Es war gar nicht so einfach, eine Bleibe für die nächste Nacht in Hodenhagen zu organisieren. Erst als das vollbracht war, konnte ich an Essen denken. Nach diesem üppigen Antipasti-Teller beim Italiener war für den Hauptgang allerdings nicht mehr viel Platz im Bauch…

    selbst den kleinen Gnocchi-Teller mit Gorgonzola-Soße habe ich nicht mehr geschafft…
  • 8. Schneverdingen – Soltau

    8. Schneverdingen – Soltau

    Es gelang heute weitgehend ohne Ausfallstraße aus Schneverdingen hinauszugelangen, durch einen Park. Auf dem Spielplatz habe ich ein mir neues Gerät gesehen, eine Doppelschaukel:

    Der Bäcker bei Famila hat mir ein trostloses Frühstück geboten, das Brötchen für unterwegs habe ich vergessen und hatte nach 200 m auch keine Motivation, dafür noch einmal umzukehren.

    Es ging dann durch das Pietzmoor, meist auf Bohlenwegen. Der erste Abschnitt (ca. 500 m) war glatt wie Schmierseife,weil es heute morgen geregnet hatte.

    Während der nächsten Rast geben es einen Regenschauer, kurz danach einen zweiten, Qualität Landregen. Wertvollstes Requisit war der Regenschirm, ausreichend angesichts des schwachen Windes und nicht so schweißtreibend wie Regenjacke oder -cape.

    Das spanneste Erlebnis hatte ich heute im Naturschutzgebiet Böhmetal bei Huckenrieth (der „Freudenthal“-Wanderweg führt wohlweislich drum herum): Es gab nämlich diese „Brücke“ zur Überquerung der Böhme:

    ich habe mich aber getraut und es geschafft. Zum Beweis ein Foto von der anderen Seite:

    Besonders natürlich sieht die Böhme hier allerdings nicht aus:

    Von der Brücke zu meinem heutigen Hotel bot sich dieser Blick auf die alte Wassermühle:

    Zum Essen hatte die Wirtin mir das neu eröffnete CheesyBurger vorgeschlagen, da gab es auch vegetarische Burger. Die Speisekarte gibt es top modern per QR-Code aus dem Internet, Bezahlung allerdings noch in bar…

    Ach übrigens: heute waren die Bremsen ein Plage!

  • 7. Tag — Handeloh – Schneverdingen

    7. Tag — Handeloh – Schneverdingen

    Einerseits war heute ein normaler Wandertag: es war vormittags trocken und sonnig, mittags gab es ein paar harmlose Tropfen am späten Nachmittag einen kräftigen Schauer (da war ich gerade im Schäferhof mit der Café-Pause fertig) und abends (ich war zum Essen im Alten Krog) schüttete es nochmal und gewitterte auch.

    Andererseits war es ein spezieller Tag. Weil ich in Handeloh keine Herberge gefunden hatte, musste ich jetzt das Quartier nicht wechseln. Das hatte 2 Vorteile: heute hatte ich weniger Gepäck zu schleppen und ein Teil des Gepäcks konnte tagsüber fertig trocknen, nachdem ich gestern Abend gewaschen hatte. Hier ein Foto der sauberen Herrenoberbekleidung:

    frisch gewaschen und getrocknet

    Ich fuhr also mit der Bahn wieder zurück nach Handeloh (damit ich den Zug bekam, musste ich beim Bäcker leicht hektisch frühstücken). Um 9:30 ging es in Handeloh los. Rike kann sich bestimmt an den herrlichen E1-Abschnitt entlang des  Seeve-Oberlaufs erinnern:

    In Wehlen ging es heute nicht weiter geradeaus nach Undeloh sondern rechts ab nach Süden, Die Wege waren aber auch hier sehr gerade:

    Komoot so: „Folgen Sie diesem Weg 2,3 km!“

    Zwischen Niederhaverbeck und Schneverdingen gab es große Heideflächen.

    Die Buchweizentorte war eine Enttäuschung: viel Sahne und in dem wenigen Teig auch noch wenig Buchweizen.

    Dafür war das Abendesssen im Alten Krug sehr gut. Es gab vegetarische gefüllte Paprika mit leckeren pfeffrig gewürzten Zucchini als Beilage. Aber das dollste war die Suppe vorweg, die Tagessuppe war eine Paprikasuppe. Das war eine kleine Zeremonie. Der Koch servierte persönlich: Auf einem warmen tiefen Teller brachte er klein geschnittene Paprika, Lauchzwiebeln, Zwiebeln und geriebene Karotte, der Rand garniert mit Majoranblättern: „Hier kommt die Paprikasuppe, die noch keine Suppe ist!“ In der anderen Hand hatte er eine Art Suppentopf mit einer feinen heißen Grundsuppe, die dann kunstvoll in den Teller gegossen wurde. – Sehr lecker!

    Der Brunnen vor dem Rathaus in Schneverdingen
  • 6. Tag Buchholz – Handeloh

    6. Tag Buchholz – Handeloh

    Der Tag begann mit einer Überraschung: es regnete! Laut Wetter-App sollte es aber im Laufe des Tages trockener werden, bisher war es ja immer umgekehrt. Das passte aber gut zum Sonntag, Frühstück erst ab 8, Aufbruch um 10. Mein Optimismus, dass es nun durchgehend trocken sei, wurde nicht erfüllt. Zum Glück hatte ich im Hotelzimmer das Anziehen des Regencapes geübt: ganz figelliensch wird erst hinten unten ein Band befestigt, dann das Cape nach hinten über den Rucksack geworfen. Wenn man dann zwischen den Beinen das Band ergreift, kann man das Cape doch über den prallen Rucksack nach unten ziehen. Diese Prozedur musste ich nach Untequerung der Bahn in der Nähe des Buchholzer Bahnhofs durchexerzieren; das Ergebnis sehen wir hier:

    Buckliges Regenmännchen

    Zur Belohnung gab es direkt aus dem Gebüsch rote Mirabellen! Die Regenhose allerdings wurde mir schnell zu warm und sooo doll regnete es nun auch wieder nicht.

    Es ging nämlich bergauf auf den 101 m hohen Höllenberg, danach gleich wieder steil bergab und in die Höllenschlucht, einen mindestens 500 cm tief eingeschnittenen Canyon mit steilen Wänden.

    Danach der echte Höhepunkt des Tages, der 130 m hohe Brunsberg (Komoot meint, ich habe heute 400 Höhenmeter gemacht – nicht schlecht für die norddeutsche Tiefebene…). Als wir den E1 gingen, waren Rike und ich schon mal hier, da haben wir die Aussicht genossen, heute war es trübe. Es war schön, bald wieder im windgeschützten Wald zu sein. Als ich endlich eine Bank gefunden hatte, gab es die wohlverdiente Rast. Das Aprilwetter hatte sich soweit stabilisiert, dass ich das Regencape verstauen konnte.

    Ich war sehr in Versuchung, das Büsenbachtal auszulassen, aber ich hatte ja Zeit und es war doch wieder so schön, dass ich sogar Bilder gemacht habe:

    Danach war Handeloh schnell erreicht und ich konnte mit dem Warten auf den Zug nach Schneverdingen beginnen. Das dauerte etwa 1,5 Stunden. Die Zeit verging mit einer Tasse Cappuccino wie im Fluge. Das ist übrigens eine interessante Erfahrung auf dieser Wanderung: Warten ist überhaupt nicht schlimm, sondern im Gegensatz zum Wandern Erholung pur.

    Um 16:30 fuhr pünktlich der Zug nach Schneverdingen, die Fahrt dauerte nur 11 Minuten. Der Weg zur Blumen-Villa in Schneverdingen hat länger gedauert, Schneverdingen ist ganz schön groß…

    Da ich 2 Nächte hier bleiben will, sah ich mich schon am Waschbecken Wäsche waschen. Aber es gibt hier sogar eine Waschmaschine zur freien Verfügung. Strümpfe, Hemden und T-Shirts werden wieder sauber sein!

    Im Gegensatz zu gestern war das Essen (Balkan) heute wieder sehr (Lamm-)Fleisch-lastig. Habe beschlossen, zukünftig zur Klimarettung beizutragen, indem ich auch in Restaurants weniger Fleisch esse.