Von 8 bis 9 war ich der einzige Frühstücksgast. Zum Bahnhof sind es nur 10 Minuten zu Fuß. Es gibt viel Storchengeklapper und Hin- und Herfliegerei. Auch auf den Wiesen sind viele unterwegs. Die Berge werden langsam weniger spektakulär, schließlich kommen Weinstöcke ins Bild. Vor dem Bahnhof Colmar wirkt das frische Grün sehr freundlich.
Frühlingsgrüne Bäume
Während der Fahrt von Colmar bis Schlettstadt ziehen die Vogesen mit dem zurück gelegten Weg innert 13 Minuten rückwärts vorbei. Schön war’s!
In Straßburg habe ich reichlich Zeit zum Umsteigen, genieße zwischendurch die Sonne auf dem Bahnhofsvorplatz. Die französischen Züge und der Bus waren alle sehr pünktlich, hatten auch immer genug Puffer zum Aus-/Einsteigen. Dagegen kommt der deutsche Zug in Wissembourg erst nach seiner vorgesehenen Wiederabfahrtszeit an. Da ist der Anschlusszug nach Straßburg längst weg…
Die Umsteigezeit in Neustadt ist von 11 auf 3 Minuten geschrumpft – das reicht noch… Beim Umsteigen in den Bus kam es auf Entschlossenheit an, dann hatte ich trotz der vielen Schüler sogar einen Sitzplatz…
Leider sind meine Vorräte aus Fréland verschimmelt, aber beim Café Pompös gibt es noch einen mediterranen Flammkuchen! Schließlich bin ich den „schönen Weg“ hoch gegangen und nun beginnt wieder der Ernst des Lebens. Zuallererst muss ich mal einkaufen.
Das war ja eine spektakuläre Abschlusstour heute, richtig alpin ging es zur Sache. Dabei habe ich noch nicht einmal den berüchtigten Felsenweg benutzt, das hatte Rike ja verboten und außerdem war der gesperrt. Als ich beim Frühstück saß, sah ich prompt ein Pärchen auf diesen Weg zusteuern, aber die mussten wieder umkehren. Als ich losging, habe ich mich von der Sperrung überzeugt.
Der gesperrte Zugang zum Felsenweg
Erstmal ging es im gleichen Stil wie gestern mit Grenzsteinen und steinigem Weg weiter. Auf der Zwischenebene von Trois Fours sah ich dann den Hohneck liegen, ganz schön Respekt einflößend, besonders auch die Martinswand, fast senkrecht. Zum Glück ging der GR5 nicht direkt an der Kante längs.
Tja und dann war ich oben:
Der Abstieg war lang und spektakulär, die Landschaft sehr alpin.
Da joggt einer hoch!
Kurz vor Erreichen des Waldes fand ich eine Narzisse. Allerdings habe ich dann gesehen dass auf der Weide viele Narzissen wuchsen. Im Wald ging es auf Serpentinen so steil bergab, das Komoot manchmal wähnte, ich sei in der falschen Richtung unterwegs.
„die“ Narzisse
Am Lac de Schiessrothried, den ich schon von oben gesehen hatte, dachte ich, Komoot spinnt wg. über 900 m.
Aber es stimmte der Abstieg war noch lange nicht zu Ende. Es kamen noch einmal Serpentinen zum Lac de Fischboedle.
Auch danach wurde es nicht langweilig. Felsen und Brücken begleiteten Wasserfälle und den Weg.
Es kommen mir auch immer wieder Leute entgegen, junge Leute und Familien. Ich bin ganz froh, dass ich diesen Weg bergab gehen darf… Der Bach heißt übrigens Wormsa, am Ende des Weges steht ein Schild zum Gedenken an den Errichter des Weges.
Ich war mir sicher, dass mir auf diesem Wege keine Radfahrer in die Quere kommen würden. Aber kurz nach diesem Schild traf ich einen älteren Mann der ein Fahrrad schob und mich fragt ob ich Deutsch spräche. Er suchte einen Ort namens Stel oder so ähnlich. Da konnte ich nicht weiterhelfen, meinte aber, dass er mit dem Rad nichts werden würde. Das sah er aber anders, schließlich sei er schon mal hier gewesen, und er schon seinen Rad weiter bergauf…
Das Denkmal für den letzten vor 275 Jahren geschossenen Bären war auch österlich geschmückt. Eine Bank lud zur Rast ein.
Im Ort Metzeral fand ich eine im Internet gelobte Patisserie, wo ich ein leckeres Passionsfruchttörtchen und einen Kaffee erstand und auf der Bank davor verzehrte. Im Ort gab es mehrere Brunnen und eine nette Leseecke.
Patisserie Brunnen Leseecke Flüsschen Fecht
Der Zug stand schon bereit, der Lokführer kam auch gerade, wollte aber zunächst alleine im Zug sein. So durfte ich an der frischen Luft warten.
Nach 10 Minuten Fahrt war ich in Münster, wo ich leicht das Hotel fand, leider ohne Restaurant. Die meisten Restaurants hatten dienstags geschlossen oder waren ausgebucht. Aber im P’tit Munster könnte ich einen Platz reservieren.
Storchennest und StorchKleiner Stadtrundgang
Im Hotel konnte ich ein Bad nehmen. Das war nach den fünf Wandertagen angemessen. Dann habe ich gegessen, telefoniert und hier geschrieben und jetzt will ich schlafen. Morgen geht es nach Hause, da die Bahn wieder über Landau fährt, kann ich den Weg über Wissembourg nehmen.
Heute gab es ein richtig großes Frühstücksbuffet. Ich hatte aber gar nicht so viel Hunger, weil ich von gestern Abend noch so satt war. Es scheint sehr viele Zimmer zu geben, jedenfalls lagen heute morgen mindestens 30 Schlüssel auf dem Tresen.
Im Holzhaus rechts habe ich geschlafen
Wie immer bin ich so um 9 Uhr losgegangen. Genauso wie es gestern zum Schluss steil runter ging, ging es heute von Beginn an zur Sache nach oben. Ich hatte das Gefühl mich schleppen zu müssen, prompt überholte mich ein Jungspund mit leichtem Gepäck. Erleichterung verschaffte mir das Ausziehen der Regenjacke, danach ging es viel leichter bergauf.
Wer hat sich bei den Ameisen eingenistet?
Am Col de Calvaire gab es Skilifte und eine Sommerrodelbahn und viel kalten Wind. Den Rest des Tages habe ich dann wieder die Regenjacke getragen, obwohl es langsam wärmer wurde und die ganze Zeit die Sonne schien.
Nicht nur der Anstieg vom Col war steinig sondern der ganze restliche Weg, was ziemlich anstrengend war.
Lac blancAnstieg beim Col CalvaireErster letzter Schnee
Die Landschaft oben ist für mich eine Mischung aus Lüneburger Heide, Nordsee-Krüppelkiefern, gefährlichen Abhängen und herrlichen Sichten. Und ständig Felsen und Steine. Auch Grenzsteine mit F und D, besonders gegen Ende waren die Ds unkenntlich gemacht. Überhaupt glaube ich, dass wir die Existenz dieses Weges dem alten Grenzkontrollweg verdanken.
Soultzeren EckSoultzeren EckUnkenntlich gemachtes DLustiger NameKriegsdienst für Hunde Das Komoot- Protokoll
Heute ist wieder strahlender Sonnenschein, aber es ist kalt geworden, der Wind ist richtig frisch und stark. Der Blick aus dem Fenster ist freundlich.
Ich bekomme ein gutes Frühstück serviert von der Mutter des Vermieters. Zwei kleine Eier von den jungen eigenen Hühnern, selbstgemachte Marmelade, das Brot ist glaube ich auch selbstgemacht, genauso wie der Gugelhupf. Der eigene Apfelsaft ist ebenso vorzüglich.
Der heutige Weg beginnt mit einem kleinen Rückweg und dann geht es immer gegen den Uhrzeigersinn um das Tal herum ständig leicht ansteigend.
Kurz vor Aubure am Fréland -Pass stoße ich wieder auf den GR5. Das Denkmal soll von den Deutschen stammen.
Col de FrélandKunst im Wald
Bei den drei Bannfelsen glaube ich den höchsten Punkt erreicht zu haben und mache eine Rast. Der Hirzberg-Gipfel ist nicht weit und bietet eine schöne Aussicht Richtung Lothringen.
hier war es nicht so zügig wie an der Hütte
Oben gibt es nicht nur Aussichten sondern auch wieder Grenzsteine. War ja mal die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich? Ich fühle mich auch stark genug und es ist auch früh genug, so dass ich doch über die beiden Brézouard-Gipfel gehe statt sie zu umgehen. Hier ist ordentlich was los: es wird gegrillt und ich sehe einen Hund auch zum ersten Mal. Den Hund treffe ich später beim Abstieg noch einmal, er möchte mich gerne in seinen „Rudel“ integrieren…
Ganz unten in Faurupt finde ich ein skurriles Boot in einem kleinen Teich, ein weiteres Boot steht auf einem Parkplatz, naja.
Dann kommt noch mal ein heftiger Anstieg und es wird richtig spannend über ein Felsenriff, zeitweise bin ich unsicher, ob ich nicht umkehren soll, aber der Weg führt dann doch nicht direkt am Abgrund vorbei.
Schließlich mache ich meine letzte Rast bei einer schönen Sonnenbank und einen großen Felsen. Später erkenne ich an den Schildern dass der große Felsen der Namensgeber für die Runde ist: Circuit de château.
Um kurz nach vier bin ich am Hôtel de la Poste. Das Zimmer befindet sich nicht im Haupthaus direkt an der Straße sondern – wie auch die Sauna – in einer Holzhütte im Garten. Der Balkon ist riesig.
Blick zum HaupthausBlick zur SaunaDas Komoot- Protokoll
Die Monstertour steht an. Deshalb gehe ich schon um 8 zum Frühstück, obwohl es das eigentlich erst um 8:30 gibt. Es ist wieder französisch, nur das Baguette ist nicht ganz sondern es gibt einige Stücke. Das ist aber voll OK. Der Hund stubst mich mit der Pfote am Bein an und zeigt mir den blauen Ball im Maul. Ich will aber nicht spielen…
Die Wirtin freut sich, dass ich auf Empfehlung meiner Frau da bin und gibt mir noch 2 Äpfel und 2 Madeleines mit auf den Weg. Falls ich unterwegs Hilfe brauche, soll ich mich gerne melden.
Ich will nicht den Umweg über das Dorf unten machen, dafür folgt erstmal ein kräftiger Aufstieg. Ich passiere wohl das Haus, das ich gestern für den Melkerhof gehalten habe, im Hintergrund Haut Koenigsbourg.
Unten liegt Thannenkirch
Grenzsteine, auch mit Rille zur Andeutung der Grenzrichtung gibt es zuhauf
Bald erscheint die erste Burg von Ribeauvillé, nämlich Ribeaupierre. Da gehe ich dran vorbei. Wenn das Dr leichte Weg ist, bin ich froh, den schweren nicht gemacht zu haben…
Ich höre hier auch schon die ersten Stimmen von anderen Wanderern, am Ulrichstein wird es richtig voll. Der Abstieg ist beschwerlich, voller toller Ausblicke und halb Ribeauvillé kommt mir entgegen. Einen Jogger mit leichtem Gepäck überholt mich halsbrecherisch bergab.
Dort drüben bin ich später hoch
Schließlich komme ich unten an und finde in „Paula“ das erste geöffnete Café Richtung Innenstadt. Um 11 Uhr sitze ich und lasse viele Touristen passieren, auch in der typischen Straßeneisenbahn. Um 12 fühle ich mich fit für den 2. Akt.
Der Aufstieg ist viel angenehmer als befürchtet, fast durchgehend „Single Trail“ mit gleichmäßiger Steigung schräg den Hang hinauf. Der Ort und die Burgen werden allmählich kleiner.
Nach 1,5 Stunden am Col de Seelacker mache ich 1/2 Stunde Rast. Auf dieser Seite ist nicht viel los. Hier kommt zum ersten Mal ein Ehepaar vorbei, aber auf einem anderen Weg. Später kommt mir noch ein Jogger entgegen, das war es aber auch.
Schließlich erreiche ich um 15 Uhr den Gipfel Königstuhl
Besonders spektakuläre Felsen gibt es bei den Roches Tetras, aber auch ständig Grenzsteine.
Hier wäre es rechts nach Aubure gegangen, ich folge dem felsigeren Pfad links
Schließlich komme ich in den Talkessel mit Fréland. Hier liegen fast kitschig verstreut Almen mit Berghöfen und Wochenendhäuser. Um 10 nach 5 erreiche ich meine Herberge, der Schlüssel ist wie beschrieben im Schlüsselkasten und schließlich kriege ich die Tür auch auf, dänisches Prinzip, Griff nach oben drehen und dann schließen oder so. Ich esse die letzten Vorräte aus Ludwigshafen (Bahnhofsbäcker) und Ribeauvillé, zum Nachtisch eine halbe Tafel Schokolade aus der Speisekammer und bin nun satt. Die Eltern des Wirts (wohnen wohl unten oder sonst wie in der Nähe) werden um 8 das Frühstück bringen. Bis dahin werde ich ausgeschlafen haben.
Heute gab es französisches Frühstück: Croissant und ein ganzes Baguette 🥖 , O-Saft, Tee, Marmelade und Käse.
Dann ging es zur Sache: Start um 8:30 um den Hahnenberg. Lange rauscht der Verkehrslärm. Aber es gibt auch vielfältiges Vogelgezwitscher, das mich den ganzen sonnigen und warmen Frühlingstag begleitet. Unverhofft stoße ich auf einen historischen Brunnen.
Immer wieder erblicke ich den Hungersberg und die Ortlenbourg sowie die Burgruine Ramstein und schwelge in Erinnerungen an unsere Tour letztes Jahr, die in Châtenois endete.
Ich stoße auf einen fünfeckigen Grenzstein (frz. Borne) und etwas später eine Picknick Zone mit diversen Bänken. Im Sommer ist der Schatten bestimmt toll, aber heute morgen um 10 hätte ich mir mehr Sonnenwärme gewünscht. 3 junge Leute kommen vorbei, die vor mir oben auf der Haut Koenigsbourg ankommen werden. Ein Ehepaar findet die schöne Sonnenbank am Beginn des ernsthaften Aufstiegs. Das zweite vorbeikommende Ehepaar überhole ich im Anstieg (Angeber ;))
Haut Koenigsbourg von unten
Um 20 vor 12 bin ich stolz oben, und gönne mir gleich am Kiosk einen Hot Dog und einen Apfelsaft. Im strahlenden Sonnenschein mit Blick über die Rheinebene bis zum Schwarzwald lässt es sich gut aushalten.
Hot Dog vom KioskVon der Burg sieht man am Kiosk allerdings nichts…
Beim Weitergehen gibt es doch noch Burg zu sehen. Speziell finde ich die Windmühle, das Restaurant befindet sich hinter Holzlatten und -Balken, merkwürdig.
Der Abstieg beginnt an einem Schild, das verkündet, dass der Wanderweg gesperrt sei, ein Rundweg nicht möglich. Ich gehe trotzdem weiter, es kommen mir auch Leute entgegen gestiegen, kein Grund für eine Sperrung zu finden…
Nach ca. 1 Stunde komme ich an einen schönen Rastplatz am Ortseingang von Thannenkirch mit sonnigen Bänken. Dort mache ich sogar ein kleines Nickerchen.
Als ich endlich aufbreche, finde ich einen originalen Platz für eine Marienstatue und einen österlich geschmückten Trinkwasserbrunnen. Ich folge dem Beispiel von vorher beobachteten Autofahrern und fülle meine Trinkflasche auf. Oberhalb einer prächtigen Weide vermute ich den Melkerhof, aber der liegt doch weiter rechts als vermutet, was zu einem kleinen Umweg führt.
Ich glaubte über der prächtigen Weide die Auberge Melkerhof glänzen zu sehen, aber die liegt weiter rechts
Der Ort präsentiert unterschiedlich attraktive Gebäude.
Unterwegs finde ich noch mehr Osterschmuck und erblicke noch einmal Haut Koenigsbourg.
Um 16:30 komme ich an. Ein netter Border Collie begrüßt mich, der mir auch beim Frühstück Gesellschaft leisten wird, obwohl ich seiner Aufforderung zum Ballspiel nicht nachkomme…
Abends gibt es Wild-Pastete und Kalbsnieren in Senfsoße. Nachtisch schaffe ich nicht, nur einen kleinen Kaffee.
Diesmal geht es 5 Etappen lang durch die Vogesen. Den Abschnitt Châtenois – Metzeral hat Rike schon längst bewältigt, ich hole ihn nun nach.
Heute erfolgte die Anreise. Weil sowohl zwischen Wachenheim und Deidesheim als auch bei Landau die bösen Dachse Bahndämme unterhölt haben, müsste ich über die badische Rheinseite ausweichen.